Vier Fäuste für den großen Reibach

von Pirmin Styrnol

Es kann ein denkwürdiger Abend werden, an diesem ersten Wochenende im Mai. Denkwürdig in vielerlei Hinsicht.

 

Ja, ich gebe es zu: Ich freue mich auf die Nacht von Samstag auf Sonntag. Wenn gegen 5 Uhr unserer Zeit die Ringglocke in Las Vegas erklingt, dann geht auch für mich ein lange ersehnter Traum in Erfüllung. Mayweather gegen Pacquiao. „Money“ gegen Manny. Der unbesiegbar anmutende Unsympath Mayweather mit dem überheblichen Grinsen, gegen den furiosen Philippino mit dem „Million-Dollar-Smile“ Pacquiao.

Mayweather, der in 47 Kämpfen ungeschlagen ist und langsam aber sicher den Uraltrekord von Rocky Marciano (49-0-0) ins Visier nimmt, gegen Pacquiao, der erste und einzige Boxer, der in sieben Gewichtsklassen gleichzeitig Weltmeister war. Ein Kampf der Superlative, ohne Frage - dem man in Europa mit Ungläubigkeit begegnet.

Kampf des Jahrhunderts
Floyd Mayweather und Manny Pacquiao auf der Pressekonferenz im MGM Grand Hotel

Die Boxwelt steht Kopf, der Rest der Welt schüttelt denselben.

 

Mayweather und Pacquiao sind hierzulande zwei große Unbekannte. Selbst der regelmäßige Boxzuschauer, der sich einmal im Monat von Sat1 oder RTL mit Arthur Abraham, Felix Sturm und Wladimir Klitschko berieseln lässt, hat von den beiden Boxgrößen aus Übersee bislang nichts gehört. Zu unbekannt sind bei uns die unteren Gewichtsklassen, hier, wo der Boxsport für den Fernsehzuschauer meist erst ab dem Mittelgewicht beginnt. Federgewicht, Leichtgewicht und Weltergewicht, die Klassen, in welchen die Herren Pacquiao und Mayweather zuhause sind, lösen bei diesem Publikum höchstens ein müdes lächeln aus. In Europa steht man auf die schweren Jungs.

 

Dass die beiden offiziell 67 Kilogramm schweren Boxer sich nun eine zugesicherte Kampfbörse von ca. 220 Millionen Dollar aufteilen dürfen, erscheint aus diesem Blickwinkel nun nahezu lächerlich. Vor allem in Deutschland, wo Pay-per-View nach wie vor ein Unwort ist, und der Zuschauer erwartet, das Fernsehprogramm quasi um sonst geliefert zu bekommen, löst eine solche Gage Protest und Unverständnis aus.

 

Und ja, selbst aus der Sicht eines Boxfans muss ich gestehen: auch für mich sind diese Summen astronomisch. Eintrittskarten für 45.000 Dollar, Gesamteinnahmen aus Pay-per-View, Tickets und Merchandising von geschätzten 400 Millionen Dollar und ein Weltmeisterschaftsgürtel, der mit 3000 Smaragden besetzt ist. Zahlen, die den sportlichen Wettstreit in den Hintergrund drängen. Und genau hier liegt für mich das Problem.

Nun endlich wäre die Möglichkeit gegeben, die niederen Gewichtsklassen auch in Europa in den Fokus zu rücken und eben jene "leichten" Kämpfer aus dem Schatten des Schwergewichts treten zu lassen. Unsere Medienvertreter thematisieren jedoch lediglich die enormen Summen, welche den Kampf begleiten. Als Journalist kann ich diese Einstellung meiner Kollegen verstehen, als Boxfan jedoch blutet mir das Herz.


Zwischen all dem Rummel um Vermarktungs- und Übertragungsrechte, Ticketpreise und Pressekonferenzen wirkt das Boxen plötzlich wie das notwendige Übel. Dass mit Mayweather und Pacquiao der vielleicht beste Defensivboxer und einer der spektakulärsten Offensivboxer aller Zeiten gegeneinander antreten, scheint uninteressant. Dass, im Gegensatz zum Boxalltag im deutschen Fernsehen, in welchem es usus ist, einen klaren Favoriten gegen einen Underdog antreten zu lassen, der Kampfausgang an diesem Wochenende völlig offen ist, bleibt nebensächlich. In der deutschsprachigen Berichterstattung über den Kampf dominiert einzig das Thema Geld. Eine Herangehensweise, die viele potentielle Zuschauer schon im Vorhinein abschreckt.

 

Und das ist schade, denn es kann ein denkwürdiger Abend werden, an diesem ersten Maiwochenende. Denkwürdig für die Investoren, denkwürdig für die Medien. Aber am Wichtigsten und vor allem anderen: Denkwürdig für den Sport.