FSV Heinz 05

von David Eder

„Thomas, du fehlst mir.“ Mit dieser Zeile beendete Heinz Müller die Stellungnahme vor dem Mainzer Arbeitsgericht. Die Klage gegen seinen Ex-Verein Mainz 05 sei eine Verzweiflungstat. „Ich betrachte diesen Schritt als letzten Ausweg, um das, was zusammengehört wieder zu vereinen“, hieß es zuvor. Dass ihm das Gericht Recht gab und der „deutschen Nummer 1 des Herzens“, wie es in seinem Briefkopf steht, obendrein eine Entschädigung zusprach, sei aber gar nicht das primäre Ziel gewesen. Der Richter verkündete das Urteil, Hammerschlag, Fall erledigt. So ganz jedoch nicht, denn niemand wusste nun, was der letzte kryptische Satz des Mandanten zu bedeuten hatte.

 

Mit „Nun sehen Sie sich doch mal meinen linken Oberarm an, was steht da?“, hatte sich Müller laut übereinstimmenden Medienberichten nach der Urteilsverkündung an Vertreter der Presse gewandt. Vorsichtig wagte sich ein Praktikant mit zitternder Stimme zu dechiffrieren: „Äh… T… und T…?“ „Ja verdammt! T! Und! T!“, platze es aus „Hard Heinz“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, heraus. „Und was glauben Sie jetzt, wofür das wohl steht?“ Der Reporterzirkel verstummte, wirkte gleichsam rätselnd über die kryptische Frage und erstaunt über den emotionalen Auftritt Müllers. Nun, was konnte für TT schon infrage kommen? „Einerseits“, hörte man Vertreter des Boulevards vermuten „könnte er seine Audi-TT-Flotte meinen. Egal ob in mauve Spiegellack oder himmelblau-matt, in jeglichen Farben des guten Geschmacks sei das Modell in der Garage vom Heinz vertreten. „Heute hat er den Camouflage-TT genommen, um vor der Urteilsverkündung zuversichtlich und selbstbewusst aufzutreten.“ Der besonders ausgeschlafene Kameramann eines öffentlich-rechtlichen Senders spekulierte detektivisch: „Hm, nein, da war doch was, da hatte ich doch was vor der Linse. T.T., das hab’ ich schon mal gesehen, ja, aber wo, wo denn bloß? Doch, ja, heute war ich doch noch an der Säbener bei den Bayern, TT, das stand auf einer Trainingsjacke…wen gibt’s denn da mit den Initialen T.T.?“

 

„Toni Tapalović!“, rief einer von den billigen Plätzen, felsenfest davon überzeugt, das Rätsel gelöst zu haben. Heinz Müller schlug sich die flache Hand auf die Stirn, man wusste: Toni Tapalović, Tormanntrainer des FC Bayern, war nicht der Grund für das Doppel-T unter Müllers Haut. „Glauben Sie ernsthaft, ich widme dem Schuhputzer von Manuel Neuer die viertliebste Stelle meines Körpers?“ (Um auf den personellen Engpass zu reagieren, ließen die Münchener Müller einige Wochen am Training teilnehmen; Anm. d. Red.) Auf die verdutzten Pressegesichter gab er prompt selbst die Antwort: „Natürlich nicht! Bei den Geldsäcken hab ich doch nur mitgekickt, weil ich geglaubt habe, die holen Thomas Tuchel!“ Plötzlich war alles klar. „Dann hat mir aber der Dante erzählt, dass der Guardiola noch bis 2016 Vertrag hat. Ich hätte mit ihm und dem Shaqiri einen Plan aushecken sollen, den Guardiola loszuwerden. Von den zwei Pfosten kann aber keiner ein sauberes Hessisch. Wenn das funktioniert hätte, wäre der Thomas jetzt bei den Bayern und ich die glücklichste Nummer Eins südlich von Mainz!“

 

Es herrschte Aufruhr, die Kameras blitzten. „Und, sprachlos oder was?“, provozierte der 1,96m-Hühne Müller die Journalisten. „Der Thomas ist der tollste Trainer und Mensch auf der Welt! Was glauben Sie denn, warum er bei keinem Verein zusagt, obwohl ihn die halbe Liga haben will? Na weil die Arschgesichter mich nicht wollen! Der Thomas hat mir versichert: „Ich coache nur noch, wo du im Tor stehst, lieber Heinz.“ Jetzt erzählen die mir von Hamburg über Leipzig bis Stuttgart, dass ich zu alt bin, mein Bart nicht zum äußeren Auftreten passt oder die Dienstautos keine Audi TTs sind. Was glauben Sie wohl, wie sich das anfühlt? Ich kann es Ihnen sagen: Es tut weh. Den FSV zu klagen, das wollte ich ja selber nicht. Ich dachte mir einfach, wenn ich bei denen wieder im Kasten steh’ kommt vielleicht auch der Thomas zurück und alles wird perfekt. Aber nein, stattdessen zahlen sie mir lieber einen Schadenersatz obwohl alle wissen, dass mir eine neue Rennlackierung auf meinem bronzenen TT völlig gereicht hätte. Der FSV Heinz 05 ist Geschichte! Aber eines sag’ ich Ihnen: Das Kapitel TT ist noch lange nicht beendet und damit meine ich nicht meine Autos.“ Sprach es und brauste im Camouflage-TT davon.

 

Thomas Tuchel wollte zu den Aussagen Müllers bislang keine Stellung beziehen. Indonesische Medien berichten unisono, ihn auf dem Gelände des Erstligisten Persipura Jayapura gesichtet zu haben. In Indonesien gibt es als „Vorraussetzung für einen fairen Wettkampf“ Größenbegrenzungen für die Spieler. Maximal 175 cm inklusive Frisur dürfen Berufsfußballer dort groß sein.