"Man muss jeden Tag bei null anfangen"

von David Eder

Nino Rauch ist 14, als die Ärzte bei ihm Lymphdrüsenkrebs diagnostizieren. Seinen Traum vom Fußballprofi muss er auf Eis legen, stattdessen geht es ins St. Anna Kinderspital in Wien. Nach Chemotherapie und Nahtoderlebnissen kommt die Rückkehr auf den Fußballplatz und ein rasanter Aufstieg: Dem Tor beim Comeback folgt die Einberufung in Österreichs U17-Nationalteam, wenig später der Wechsel zum 1. FC Nürnberg. Mit der großen Profikarriere wird es dennoch nichts. Hobbyfußball in der Freizeitliga, ein Büro an der Wiener Börse und Scouting für Rapid Wien - das ist die Gegenwart von Nino Rauch. Im Interview spricht der heute 27-Jährige über seine Jugend zwischen den Extremen Leistungssport und Krankenbett und über sein Buch „Leben ohne Ende - Wie ich als Kind den Krebs bezwang“.

Nino Rauch / Bild: (c) David Eder
Nino Rauch / Bild: (c) David Eder

Nino, du arbeitest jetzt für ein Corporate-Finance-Unternehmen. Wärst du als Fußballprofi glücklicher? 

Das kommt und geht immer wieder in Wellen. Wenn ich im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion bin um ein Spiel von Österreich zu schauen, komme ich schon ins Träumen und denke mir, ob das nicht eher meine Karriere gewesen wäre. Während des Großteils der Zeit bin ich aber sehr zufrieden, wie sich das entwickelt hat - vor allem im Jänner während der Wintervorbereitung, wenn es draußen eiskalt ist und ich weiß, dass die Profis nur Intervalllaufen und Krafttraining erwartet.

 

Kann ich gut verstehen! Eine Grundsatzfrage: Kann ein Fußballprofi überhaupt glücklich sein?

Ja, aber nur ganz kurz. Ich kann nur von mir sprechen und ich war ständig nur unzufrieden. Es gibt immer irgendetwas, das man erreichen kann oder will. Wenn man aber ein Ziel erreicht hat, gibt es schon wieder das nächste. Das Besondere am Fußball ist, dass das Glück im Moment liegt - wenn man ein Tor schießt, wenn man einen Erfolg einfährt, wenn man ein Finale erreicht. Das alles ist aber sehr schnell vergänglich.

 

Besonders wie du in Nürnberg warst, aber auch in Österreich hast du Profiluft geschnuppert. Ist das eine Welt, die dir gefallen hätte? 

Ich habe in Nürnberg viermal mit den Profis mittrainieren dürfen, damals unter Trainer Meyer (Hans; Anm.) mit Spielern wie Stefan Kießling, Jan Polak oder Andreas Wolf. Wir hatten beim Training 200 Zuschauer und sogar ich als No Name durfte Autogramme schreiben. Die Profis hatten Parkplätze vor dem Trainingsplatz, wo man ihre Autos sehen konnte - da war eines besser als das andere. Die Profiluft fühlt sich also schon angenehm an, umso mehr wenn man gut verdient. Ich habe dort aber auch entdeckt, dass man jeden Tag 200 Prozent geben muss. Ich war nicht der talentierteste Spieler, bei mir ging es immer um den Kampf und um die Ausdauer. Mir wurde klar: Wenn ich da mitspielen möchte, muss ich jeden Tag alles geben und das bis ich 35 bin. Bis dahin hätte es nur Fußball gegeben und damals war ich ja erst 18. Ich habe erkannt, dass das für mich zu wenig werden würde und ich mich nicht nur in der Welt des Fußballs bewegen möchte. Der Fußball hat ein Spezifikum: Man lebt in dieser Welt und bekommt wenig von außen mit. Man ist so damit beschäftigt, sich zu profilieren, dass man gar nicht über den Tellerrand schauen kann.

 

Du hast im österreichischen Nachwuchs-Nationalteam mit Rubin Okotie und Veli Kavlak gespielt. Hast du noch zu jemanden Kontakt, der nun in genau dieser Welt lebt?

Den Rubin sehe ich immer wieder. In Wien laufen wir uns manchmal über den Weg, aber zu sagen, dass wir Kontakt hätten, wäre übertrieben. Ich habe versucht, ihn für ein Buchprojekt zu gewinnen.

 

Was ist daraus geworden?

Damals war er in Nürnberg und hat gerade versucht seine Verletzung auszukurieren. Er hat gemeint, dass das wahrscheinlich der falsche Zeitpunkt für das Projekt wäre, da dann alle meinen würden, er konzentriere sich nicht voll auf den Fußball.

 

Was ging in dir vor, als er in der laufenden EM-Qualifikation für Österreich das 1:0 gegen Russland erzielt hat?

Bei dem Spiel war ich im Stadion. Das war einer der Momente, wo ich mir gedacht habe: „Woah, geil! Da wäre ich jetzt auch gerne unten am Rasen!“ Es war eine Bombenstimmung, das Stadion hat gekocht - ein perfekter Fußballabend. Ich habe mich riesig gefreut für Rubin, weil ich wusste, dass er eine schwere Zeit hinter sich hatte und sich das hart erarbeitet hat. Gleichzeitig hatte ich aber auch ein weinendes Auge, weil ich mir gedacht habe: „Vielleicht wäre ich, wenn ich ein bisschen mehr gegeben hätte, jetzt auch da unten.“

 

Wenn du einen Vergleich ziehst: Auf der einen Seite jemand, der Fußballprofi geworden ist und auf der anderen Seite jemand wie du, der es nicht geworden ist. Was schmerzt mehr: Der unerfüllte Traum oder die Opfer, die man bringen muss, wenn man ihn lebt?

Das ist genau die Frage, die ich mir in solchen Momenten stelle, um ehrlich zu sein. Ich bin eigentlich glücklich, wie es gelaufen ist. Ich fühle mich sehr wohl mit meinem Werdegang. Wenn ich abwäge, glaube ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

 

Heißt das, es war eine bewusste Entscheidung, nicht Profi zu werden? Oder wolltest du es bis zuletzt und hast irgendwann gemerkt, dass es nicht reichen würde?

Es gab beide Komponenten. Ich habe mir gesagt: „Wenn du es schaffen willst, musst du dem alles unterordnen“ - und das wollte ich nicht. Das war eine bewusste Entscheidung. Damit ging natürlich einher, dass ich mich mit weniger zufrieden gegeben habe. Ich habe in der Folge auf einem niedrigeren Level Fußball gespielt, um es auch neben dem Studium machen zu können. Irgendwann gab es den Zeitpunkt, wo ich erkannt habe, dass es andere Dinge gibt, die mich mehr interessieren, die mir mehr Spaß machen und in die ich meine Zeit lieber investieren möchte.

 

Welchen Rat würdest du einem jetzt 14-Jährigen geben, der auch so hart trainiert wie du in diesem Alter, um Profi zu werden?

Dass er seinen eigenen Weg gehen soll. Mit 14 glaubt man, von irgendwelchen Trainern oder Funktionären abhängig zu sein, die einem sagen wollen, wie gut oder wie schlecht man ist und welchen Weg man gehen sollte. Wichtig ist, dass man auf sich selbst hört und spürt, was und wer einem gut tut. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit 14, 15 viel zu fremdbestimmt und abhängig von anderen war. Ich habe viel zu viel Zeit damit verschwendet, darauf zu achten, wen der Trainer lobt, warum er ihn lobt und was die anderen machen. Ich hätte rückblickend viel mehr bei mir selber bleiben sollen.

 

Fußball ist zu einem großen Teil Glückssache, man ist stark davon abhängig, verletzungsfrei zu bleiben. Sich auf die körperliche Gesundheit verlassen zu müssen, ist durchaus riskant. Inwiefern würdest du diese Einschätzung bestätigen?

Zu einhundert Prozent. Als ich von Nürnberg zurück nach Österreich gekommen bin, habe ich unter Walter Hörmann für St. Pölten in der Regionalliga gespielt. Unser Ziel war der Aufstieg. Nach einem halben Jahr habe ich mir das Kreuzband gerissen, woraufhin ich mich an den damaligen ÖFB-Teamarzt gewendet habe. Dieser hat mir geraten mich nicht operieren zu lassen, weil man das neuesten Studien nach durch den Muskelaufbau ausgleichen sollte. Rückblickend war das totaler Schwachsinn. Ich habe ein halbes Jahr trainiert wie ein Verrückter, habe aber nach und nach gemerkt, dass sich das Knie nicht wirklich stabil anfühlt. Daraufhin bin ich zu einem anderen Arzt gegangen. Der hat mir gesagt: Wenn du weiter Leistungssport machen oder jemals Skifahren möchtest, musst du dich operieren lassen. Durch das intensive Training hatte ich mir aber bereits so viel Schaden zugefügt, dass der äußere Meniskus auch noch eingerissen war - erst danach wurde ich operiert. Dadurch habe ich mehr oder weniger ein ganzes Jahr verloren. Der Körper muss also mitspielen und man muss Glück haben. Das gilt besonders in jungen Jahren, wenn man sich gerade profilieren möchte und um Verträge kämpft.

 

Welchen Einfluss hatte die Krebserkrankung auf deine angestrebte Profikarriere?

Ich war immer schon ehrgeizig und bin meinem Ziel sehr intensiv nachgegangen. Durch die Krebserkrankung hat sich bei mir mental etwas verändert. Man lernt, sich in Extremsituationen noch mehr zu motivieren und den berühmten Schweinehund zu überwinden. Im Training hilft es einfach, wenn man weiß: Man hat die Krankheit besiegt, dann wird man auch dieses Training überleben. Während der Chemotherapie wird der Körper einer Extremsituation ausgesetzt und man merkt während dem gesamten Krankheitsverlauf, wozu er eigentlich fähig ist. Wenn man diese Gewissheit hat, kann man auch beim Training noch einen Schritt weiter gehen.

 

Dein Trainer hat dir damals in das St. Anna Kinderspital ein Trikot mit den Unterschriften deiner Mitspieler gebracht und dir gesagt, dass sie das letzte Spiel für dich gewonnen hätten. Wie war das für dich?

Es hat mich unheimlich motiviert, das war ein unglaubliches Erlebnis. Der Trainer hat mir auch gesagt, dass mit meiner Rückennummer keiner spielen wird, bis ich wieder zurück bin. Ich habe gemerkt, dass die ganze Mannschaft hinter mir steht und mir Rückhalt gibt. Dadurch habe ich mich noch mehr auf mein Ziel fokussiert, wieder zurückzukommen. Ich glaube, dass in dieser Krankheitsphase Ziele extrem wichtig sind. An Zielen kann man sich hochziehen und sich in schwierigen Momenten sagen: „Ich möchte das erreichen, also kämpfe ich jetzt!“

 

Inwiefern war, dass du Nachwuchsleistungssportler warst und es gewöhnt warst, Leistung zu bringen, eine Hilfe um deine Krankheit zu überwinden? 

Ich beschreibe die Krankheit ja in zwei Verläufen: Da ist der erste Teil, wo ich überhaupt nicht damit zurechtgekommen bin. Ich wollte nicht akzeptieren, dass ich Krebs habe. Ich habe mich nur gehen lassen und alles von mir weggeschoben. Es verhält sich aber wie mit einer Schiedsrichterentscheidung: Der Schiedsrichter wird eine Entscheidung nicht mehr zurücknehmen und genauso wird die Diagnose bestehen bleiben, wenn sie getroffen ist. Als ich realisiert habe, dass ich selber etwas beitragen, mich selbst rausziehen muss, um gesund zu werden, hat mir mein Sportlerdasein natürlich geholfen. Der Ablauf beim Training im Leistungsport ist da ähnlich: Man muss jeden Tag aufstehen, sich neu motivieren und wieder bei Null anfangen. Man muss wie in der Therapie auf gewisse Ziele hinarbeiten. Es geht darum, bestimmte Werte bei den weißen und roten Blutkörperchen zu erreichen und zu überprüfen, wie stark das Immunsystem ist. Du bekommst jeden Tag ein Blutbild mit deinen Werten und versuchst diese nach oben zu treiben. Im Sport ist es dasselbe, egal ob du versuchst noch schneller zu laufen oder noch mehr Gewichte zu heben.

 

Warst du jemals verärgert über die Ärzte, die deine Krankheit anfangs als Erkältung abgetan und den Tumor in deinem Rachenbereich nicht erkannt haben?

Um ehrlich zu sein: Ich habe mich damit nie beschäftigt und war auch nie wütend. Ich habe die Situation so angenommen wie sie war und das Ganze ist ja gut ausgegangen. Es war irgendwie so, als hätte das dazugehört.

 

Du hast während deiner Leidenszeit Bücher von anderen Sportlern gelesen, wie Hermann Maier und Lance Armstrong, die aufgrund eines Unfalls bzw. einer Krebserkrankung in ähnlichen Situationen waren wie du. Inwiefern siehst du dich nun selbst als jemanden, der ein Buch geschrieben hat, das anderen hilft?

Das war einer der Gründe, warum ich es geschrieben habe. Ich wollte mich an andere Betroffene richten, die einen Schicksalsschlag erlitten haben - nicht nur an Fußballer oder Krebskranke. Ich wollte ihnen sagen, dass es gut ausgehen und der Alltag wieder einkehren kann. Man muss sich motivieren und seinen Zielen nachgehen. Als jemand, der einen harten Schicksalsschlag zu verdauen hatte und es dann geschafft hat, möchte ich Mut und Zuversicht schenken und mit dem Buch sagen: „Ihr könnt es auch schaffen, wenn ich es geschafft habe!“

 

Du hast gesagt, das war einer der Gründe. Was waren die anderen?

Der wichtigste Grund war sicherlich der, das Erlebnis aufzuarbeiten. Als ich damals mit der Chemotherapie fertig war, bin ich sofort zurück ins Sportinternat gekommen und habe trainiert wie ein Verrückter. Nach meiner Genesung musste ich jährlich ins Spital zu einer Kontrolle, um zu sehen, ob ich gesund war oder nicht. Als ich noch studiert habe, bin ich nach einer dieser Untersuchungen zurück an die Uni gefahren. Ich war in einer Vorlesung als plötzlich mein Handy geläutet hat. Es hat sich eine Stimme gemeldet und gesagt: „St. Anna Kinderspital.“ Ich habe gemerkt, wie mein Kreislauf fast kollabiert, weil ich geglaubt habe, man würde mir sagen, dass meine Werte schlecht sind und der Krebs wieder da ist. Ich hatte beim Spital aber kurz zuvor wegen meinem Buchprojekt angefragt, um einen Termin mit dem Vorstand zu vereinbaren. Schließlich hat man mich also nur angerufen um mir mitzuteilen, dass der Termin klar geht. In diesem Moment habe ich gemerkt, dass da noch so viele Ängste in meinem Unterbewusstsein schlummern und ich das aufarbeiten muss.

 

Warum aber hast du dein Buch erst mehr als 10 Jahre nach deiner Erkrankung geschrieben und wieso genau zu diesem Zeitpunkt?

Die Phase, bis ich mit dem Buchprojekt begonnen habe, war extrem wichtig, weil alles geregelt und ich auf der Uni voll integriert war. Ich hatte privat ein ruhiges Umfeld, keine offenen Baustellen. Es war die erste Zeit in meinem Leben, wo ich nicht an allen Ecken und Enden um etwas kämpfen musste und mich so dem Projekt voll widmen konnte. Ich war frei im Kopf und hatte genug Kraft um die Dinge aufzuarbeiten.

 

Wie sehr ist deine Vergangenheit ein ständiger Begleiter von dir?

Die Krebserkrankung wird immer Teil meines Lebens sein. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag daran denke, aber im Alltag fällt das Wort „Krebs“ schon relativ oft. In der Weihnachtszeit gibt es Spendenkampagnen von Licht ins Dunkel oder vom St. Anna Kinderspital. Dann hängen diese Plakate in der Stadt mit den kahlköpfigen Kindern. Wenn ich daran vorbeifahre, werde ich sofort an die Krankheit erinnert und die Bilder, die sich in meinen Kopf eingebrannt haben, werden wieder aktiviert.

 

Angenommen, du lernst heute noch jemanden kennen. Zu welchem Zeitpunkt wirst du die Krebserkrankung als Teil deiner Geschichte erwähnen?

Das plant man nicht. Wann ich das erwähne, ergibt sich eigentlich von alleine. Es war ganz lustig zu sehen, dass bei meiner Buchveröffentlichung viele, mitunter auch sehr gute Freunde gesagt haben: „Das wusste ich gar nicht“. Der Krebs kam irgendwie nie zur Sprache - die waren total baff, dass das Teil meines Lebens ist. Für andere wiederum war das keine große Sache, weil sie es ohnehin schon wussten und ich mit ihnen intensiv über die Zeit gesprochen habe. Es ist einfach total unterschiedlich, mit wem man in Situationen kommt, wo der Krebs zur Sprache kommt.

 

Was geht in dir vor, wenn du eine Geschichte wie die von Martin Hofbauer hörst, der kürzlich den Kampf gegen den Krebs verloren hat? (Martin Hofbauer war ein österreichischer Amateurfußballer. Ihm musste aufgrund eines Tumors das rechte Bein amputiert werden. Als erster Spieler weltweit hatte er erwirkt, mit einer Unterschenkelprothese spielen zu dürfen. Am 7. März 2015 erlag er trotz mehrmaliger Chemotherapie seiner Krebserkrankung; Anm.)

Ich spüre, dass ich Gänsehaut bekomme. Ich bin schockiert, wenn ich so etwas höre. Das macht mich sehr betroffen, weil ich mich in diese Situation hineinversetzen kann, auch in das Umfeld. Obwohl ich es überlebt habe, kann ich das überhaupt nicht von mir wegschieben.

Im Zuge des Buchprojekts war ich öfter wieder im St. Anna Kinderspital. Ich wurde gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, dort zu arbeiten - ich könnte es nicht. Ich bewundere diese Kinder, die dort jeden Tag um ihr Leben kämpfen. Und obwohl ich einmal Teil davon war, ist das so weit weg für mich. Ich bin gleichzeitig froh, dass es mir so gut geht. Man gerät sehr oft in die Versuchung, sich über kleinere Dinge zu ärgern und in diesen Alltagstrott zu verfallen. In solchen Momenten wird einem wieder bewusst, dass Gesundheit das Wichtigste ist.

 

Wie sehr lässt dich dein abgeschlossenes Psychologiestudium auf dein Verhalten während deiner Leidenszeit und deiner Jugend zurückblicken? Analysierst du den Nino von vor 10, 15 Jahren?

Das Psychologiestudium hat wenig damit zu tun. Ich habe begonnen, Psychologie zu studieren, weil ich damals noch Profifußballer werden wollte und so auch den Wunsch meiner Mutter erfüllt habe. Ich konnte mir vorstellen Mentaltrainer zu werden und habe mir gedacht, Psychologie wäre das Naheliegendste. Ich habe mich aber überhaupt nicht mit dem Psychologiestudium auseinandergesetzt und erst viel später bemerkt, dass Mentaltraining genau gar nichts damit zu tun hat. Durch die Krankheit und auch das Psychologiestudium wurde ich sicher reflektierter - in gewisser Weise hängt das zusammen. Man setzt sich automatisch mit sich selbst und getroffenen Entscheidungen auseinander.

 

Du bist aktuell auch als Nachwuchsscout für Rapid Wien tätig. Inwiefern unterscheidet sich deine Sichtweise auf die Arbeit mit Jugendlichen - aufgrund deines Psychologiestudiums und deiner prägenden Vorgeschichte - von der Sichtweise anderer Scouts?

Ich maße mir nicht an, deshalb andere Fähigkeiten zu haben. Im Vergleich zu meiner Zeit als Nachwuchsfußballer beginnt das Gerangel um Spielerrechte durch Spielerberater und Manager schon viel früher. Was ich jetzt bei Zehn- oder Elfjährigen erlebe, hat bei mir erst ab 17 begonnen. Ich würde mir wünschen, dass Trainer und Funktionäre pädagogisch besser geschult werden, wenn sie im Nachwuchsbereich arbeiten. Bei Rapid funktioniert das schon sehr gut, man achtet auf das Bewusstsein, dass das Kinder sind, mit denen man arbeitet. Der Verein legt sehr viel Wert darauf, dass die Kinder zu nichts gedrängt werden und Rücksicht auf die Situation der Familie genommen wird. Wie schwierig ist es etwa, dass der Spieler im Hinblick auf die Fahrdistanzen jeden Tag zum Training kommt? Wie sieht die berufliche Situation der Eltern aus? Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig diese Aspekte sind.

 

Du spielst mittlerweile in einer Hobbyliga, aufgrund deiner sportlichen Vergangenheit bist du dort sicher der begabteste Spieler. Wie schwer fällt es dir auf diesem Niveau zu spielen?

Die Unterschiede sind nicht so groß, ich muss mich schon anstrengen um gut zu sein! Ich mache genauso meine Fehler und verliere genauso meine Zweikämpfe. Im Vergleich zu früher habe ich stark abgebaut! (lacht)

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