Doppelt gemobbt, achtmal versagt

von Michael Hammerl

Red Bull Salzburg ist in der Champions League Qualifikation wieder einmal an sich selbst gescheitert. Geld schießt wohl wirklich keine Tore. Zumindest nicht in Malmö.

 

Mobbing – dieses Mittel ist den Fans und Spielern von Malmö FF durchaus geläufig. Rugby Rosenberg an der Spitze der babyblauen Front, der alles rempelt, schlägt und tritt, was zwei Beine hat. Im Hintergrund werken seine mutmaßlichen Lakaien, die versuchen, den Salzburger Teambus mit Böllern in die Luft zu sprengen. Sie bejubeln die zerbrochene Heckscheibe genauso frenetisch, wie die rohe und absolut indiskutable Spielweise von Captain Marcus Rosenberg, der gerne mal einen Ellbogen für seine Jungs wegstreckt. Der Captain sieht erst Gelb, als das Spiel so gut wie gelaufen ist.

 

Der Böller, das Vorjahr, die gesamte Champions League Historie: Junge, warum hast du nichts gelernt? Es braucht weder einen Arzt, noch die Ärzte, um die passende Diagnose zu formulieren. Das Salzburger Scheitern im Vorspiel zur Königsklasse ist längst zur Psychose geworden.

 

Drei Eier

 

„Eier, wir brauchen Eier.“, versuchte Abwehrchef Martin Hinteregger das Ausscheiden mit kahn‘scher Wortakrobatik zu erklären.

 

Zum zweiten Mal hatte man der harten Gangart von Malmö FF nur ineffizientes Ballstreicheln und durchsichtige Lochpässe in einen zentrierten Neun- bis Zehnmannriegel entgegen zu setzen. Zu spät entdeckte die Mannschaft von Neo-Coach Peter Zeidler das Flügelspiel. Zu naiv war die taktische Ausrichtung in der Anfangsphase. Zu unerfahren waren jene Spieler, die Abgänge wie Marcel Sabitzer oder Verletzte wie Jonathan Soriano kompensieren sollten.

 

Man ließ die zitierten „Eier“ vermissen und bekam sie in dreifacher Ausführung gelegt. Eines war hässlicher als das andere. Mirandas Vorlage zum 0:3 gewann den Hauptpreis. Die brasilianische Neuverpflichtung hat gezeigt, dass sie sich auf Europas Fußballplätzen noch nicht akklimatisiert hat. Die Klasse seines Vorgängers Ramalho wird Miranda so nicht erreichen.

 

Spielerisch waren die – bringen wir es auf den Punkt – Jungbullen das bessere Team. 25 zu 8 Torschüsse, technische Feinkost von Naby Keita und der erkennbare Wille, Ball, Gegner und Spiel zu kontrollieren. Was fehlte, war eben Konsequenz und Vehemenz, um den schwedischen Kannibalen mit aller Kraft ein Tor schießen. Die unerfahrene Mannschaft, der Hinteregger im Nachhinein „Kinderfußball“ attestierte, wirkte in den entscheidenden Szenen eher unentschlossen und schüchtern, als kaltschnäuzig. Der Stier war ein Ochse.

 

Trauma, das Achte

 

Mit großen Ambitionen begann die Mateschitz-Ära. Sie wurde mit sechs Meistertiteln belohnt, aber scheiterte auch achtmal in der Champions League Qualifikation. National gesehen ist das Projekt Red Bull Salzburg definitiv eine Erfolgsgeschichte. International gab es gute Momente, wie ein 3-0 gegen Ajax. Aber weder als temperiert springende Pferde Trapattonis, noch als Nullen unter Stevens und auch nicht als Pressingmaschinerie unter Schmidt, schaffte es Salzburg in die Königsklasse.

 

Reisen nach Valencia, Donezk, Haifa, Tel Aviv, Düdelingen (Ansammlung von 20.000 Seelen im Großherzogtum Luxemburg  - Anm. d. Red.), Istanbul und zweimal Malmö hätte sich der Salzburg-Fan in den letzten Jahren sparen können. Sofern er sie überhaupt begangen hat. Das ist schwer zu belegen, geräuschvoll ist er ja eher als Austrianer. Die Ausgangslage wird sich in den nächsten Jahren jedenfalls kaum verbessern, beachtet man die Zwangsgemeinschaft mit dem Ostdeutschen, der sich unerbittlich zeigt, wenn es um Mozartstädter Spielermaterial geht.

 

Achtmal versagt, von allen gemobbt. Dose leer.