Ibrakadabra – Zauber einer karikativen Selbstdarstellung

von Jonas Achorner

Sportlich gesehen war es ernüchternd, wenn nicht blamabel im katarisch geprägten Selbstverständnis der Prinzen von Paris St.Germain. Man mühte sich redlich gegen einen Tabellenmittelständer mit Tendenz zum Abstiegskampf und beendete die Partie gegen Caen schließlich mit einem schlichten 2:2. Dennoch lag nach dem Spiel ein märchenhafter Zauber von Friede, Freude ohne Eierkuchen über den Prinzenpark.

50 Namen von hungernden Kindern prangerten auf dem athletischen Körper von Zlatan Ibrahimovic, ein Zeichen, eine Botschaft gegen Not und Leid. Angesichts des an ihm zehrenden Hungers dieser Welt, setzte der warmherzige Recke aus dem kalten Norden ein Zeichen dafür, dass Hunger keine Brustbehaarung kennt.

 

Was war geschehen? Der Torjubel ist ein zentrales Merkmal des Fußballs. Es gehört sich Gott, der Frau, dem Trainer, den treuen Fans, und meistens sich selbst dafür zu danken. Diesem Zwang wollte und konnte sich auch Ibrahimovic nach seinem Treffer gegen Caen nicht entziehen und so lief er nachdem er prüfend die Unterlippe vorgezogen hatte, erhobenen Hauptes und Zeigefinger schwingend in Richtung seiner Teamkammeraden.

 

Doch dann geschah es. Selbstlos, im Bewusstsein eine Gelbe Karte zu erhalten, entblößt der Schwede uneigennützig seinen mit Tattoos gestempelten Oberkörper. Doch welch törichter Tor denkt an Selbstbeweihräucherung ohne Grund.

 

Mit nackter Haut wollte er auf das Projekt des Welternährungsprogramms (WTF) mit dem symbolischen Titel „805 Millionen Namen“, welches ebenso viele Kinder, die an Hunger leiden, repräsentiert, Aufmerksamkeit erregen. Ohne Zweifel ein hehres und wichtiges Anliegen, welches thematisiert werden soll. Wer, wenn nicht Ibrahimovic wäre hierfür nicht ideal?

 

Es stört nicht, dass er sein Gehalt von Qatar Sport Investment (QSI) bezieht. Eine Organisation aus jenem Land, in welchem Arbeiter für einen Hungerlohn neue sportliche Stadien für eine Weltmeisterschaft und mögliche Olympiade errichten. Er, der seinen Widerstand uneigennützig personifiziert – seine Muskeln gegen den Hunger dieser Welt, sein Tor für gefüllte Mägen. Brot und Spiele, hieß es doch schon im alten Rom.

Nicht etwa, dass die Namen der Kinder, deren Geschichte, der Grund für ihr Leid entscheidend wären. Sie hungern, ja, alle – verkörpert durch den moralischen Helden Ibra, der, der 50 Millionen Namen trägt. Es ist genau dieser plumpe Aktionismus, der kurz zu Tränen rührt, ohne ernste Gedanken zu schüren.

 

Sicherlich, ein solches Projekt benötigt Aufmerksamkeit, damit sich die Öffentlichkeit mit seinen Ideen eingängig und in Tiefe beschäftigt. Wer hier jedoch wen zur Aufmerksamkeit verhilft, ist ungewiss. So wird mancher dem Stürmer jedoch neidisch sein, um eine einzigartige Möglichkeit der Selbstdarstellung, nein Hilfe für Bedürftige. Schließlich muss man sich mit der schweren Last nicht allzu lange aufhalten, die Namen waren ja abwaschbar.