Not-For-Profit

von Jonas Achorner

10,5 Milliarden Dollar Gewinn 2014, 4,5 Millionen Dollar für einen 30-sekündigen Werbespot – die Zeichen stehen gut, dass die NFL, die nationale Football Liga, nach dem Finale 2015 ihren Gewinn erhöhen kann. Verwunderlich ist dabei nur, dass die Liga unter dem Titel einer nicht-kommerziellen Vereinigung geführt wird. Tatsächlich bleiben ihr nach dem Saisonfinale „nur“ zehn Millionen der erzielten Einnahmen. Doch wohin fließt das Geld und warum ist der US-amerikanische Steuerzahler nicht nur zahlender Zuseher einer pompösen Show, sondern subventioniert das Event, unabhängig ob es ihm gefällt oder nicht?

Die Spur des Geldes zu verfolgen ist relativ einfach, fließt es doch zu den Vereinen der NFL. Grund dafür ist das US-amerikanische Franchise-System anhand dessen die Liga organisiert ist. Dies irritiert. Denn Franchise sind gewinnorientierte Unternehmen mit Lizenz, die nun in einer Not-For-profit Organisation untergebracht werden. Aus dieser Situation ergibt sich ein weiteres Absurdum: die NFL genießt ähnlich wie das Rote Kreuz oder katholische Wohltätigkeitsorganisationen Steuervorteile, die auf werbeschaltende Unternehmen und die Vereine abfärben. Jedoch hinkt dieser Vergleich. Die Gründe für diese Situation liegen nämlich in der Historie und rechtlichen Organisation der NFL.

 

Branchenvertreter mit Monopolstatus

 

Die US-amerikanische Gesetzgebung erlaubt es Unternehmen, die mit ihrer Tätigkeit eine Weiterführung einer Industrie oder Profession ermöglichen, als trade or industry association, ohne einen Anspruch auf Wohltätigkeit, von der steuerlichen Last befreit zu sein. Gleiches gilt neben der nationalen Eishockeyliga und der PGA, die bedeutendsten Golftour der USA, auch für Handelskammern, Immobilienbehörden und Handelsvereinigungen. Zusammengefasst ist dies in der Sektion 501(c)(6) und 501(c)(3) des Internal Revenue Codes. Das neben Interessensvereinigungen für Handel und Immobilien auch sportliche Organisationen begünstigt werden, hinterlässt einen faden Beigeschmack, der die Frage aufwirft wie weitläufig die Steuererleichterung ist.

 

Dies findet sich in der Form 990, einem Informationsschreiben von steuerlich-befreiten Organisationen für das zuständige Department of Treasure, dem Finanzministerium der USA. So dürfen die 32 Vereine der NFL als Besitzer Gewinne erzielen, die sie auch versteuern müssen, während sie mit einem Teil der Einnahmen die Organisation, also das NFL League Office finanzieren. Genauer heißt dies, dass die Einnahmen durch Fernsehlizenzen oder Tickets regulär versteuert werden müssen. Die Steuervorteile betreffen andere kleinere Bereiche. So muss das League Bureau keine Steuern für Benzin, Leihautos und Zulassungsgebühren bezahlen.

 

Die NFL genießt diese Vorteile aufgrund ihrer Gründungsgeschichte. Im Gegensatz zu Baseball entwickelte sich professioneller Football in den USA relativ spät und wurde vorwiegend auf universitärer Ebene betrieben. Die ersten Anfänge entstanden im Osten der USA und langsam entwickelte sich daraus die NFL. Im Westen jedoch wurde gemeinsam mit dem US-Sender ABC ein Pendant, die AFL (American Football League), gegründet. Nach einem langen finanziellen und PR-Wettbewerb wurde schließlich ein gemeinsames Finale, der Super Bowl und ab 1970 eine gemeinsame Liga, die NFL, gegründet. Aufgrund dieser Vereinigung gilt die NFL nun als einzige Organisation, die den US-amerikanischen Football verkörpert und somit die Branche an sich repräsentiert, eine Gemeinsamkeit die sie mit der Handelskammer oder der Immobilienbranche teilt. Aufgrund dieser Konstellation genießt sie bis jetzt Steuervorteile.

 

Buhlen um 32 Unternehmen

 

Neben diesen indirekten Nachteil für den Steuerzahler durch die entgangenen Einnahmen erhalten die Clubs und somit die NFL auch direkte Unterstützung aus dem Steuertopf von Ländern und Städten. Hierfür ist wiederum das Franchise-System verantwortlich. Die Struktur ermöglicht dem Besitzer der Marke und somit der Lizenz vollkommenen Rechte über den Verein. Das heißt, dass dieses Recht bzw. die Lizenz weiterverkauft werden kann, wenn der Standort aus Sicht des Besitzers wirtschaftlich nicht rentabel ist. Um Besitzer und Vereine an eine Stadt zu binden, unterstützen Städte und einzelne Staaten ihre Vereine tatkräftig.

 

4,5 Milliarden Dollar wurden seit 1997 in den Stadionbau von zwanzig Neubauten von der öffentlichen Hand investiert. Zwei weitere werden zurzeit in Atlanta und Minneapolis für 700 Millionen Dollar errichtet. Für das Stadion in Phoenix, in welchem das heurige Super-Bowl Finale stattfand, bezahlten Steuerzahler umgerechnet 265 Millionen Euro. Noch irrwitziger erscheint, dass das Geld, welches die Vereine für die Bauten verwenden nicht versteuert wird. Finanziert wird dies durch steuerfreie Kommunalobligationen, die eigentlich für Schulen und Straßen gedacht sind. Die Arizona Cardinals ersparten sich durch diese Maßnahme 125 Millionen Dollar beim Stadionbau in Phoenix. Doch dem nicht genug, verdienen die Vereine doppelt. Sie verkaufen nämlich die Namensrechte für Stadien an Sponsoren. Das erwirtschaftete Geld behält der Verein, ausschließlich. Eigentlich nicht nötig zu erwähnen ist, dass diese Einnahmen als Marketingausgaben von der Steuer abgesetzt werden können.

 

Zusätzlich werden den Vereinen noch durch Langzeitkredite unterstützt. Auch unterschwellige Hilfen durch öffentlichen Dienstleistung, wie beispielsweise die Schneeräumung oder Hilfe durch die Polizei wird angeboten. Außerdem wird den Vereinen auch ein massiver Grundsteuererlass gewährt.

 

Das Argument, wer professionellen Football und die dadurch resultierenden Vorteile in seiner Stadt oder seinem Staat der Bevölkerung genießen möchte, dafür bezahlen muss, ist nicht nur angesichts der abstrus hohen Summen gewagt, auch die Tatsache, dass immer noch keine Gewissheit besteht, ob Investoren sich zum Verkauf entschließen und doch der Verein den Ort verlässt, bestärkt dies. Diese Abhängigkeit von den Investoren und die Möglichkeit ein teures, neues Stadion zu besitzen, ohne einen Verein, der es bespielt, gipfelt in dem Argument, dass sich immer weniger Teile der Bevölkerung Tickets für ein Spiel der NFL leisten können.


Im Durchschnitt müssen die Fans für ein Ticket 209 Dollar, also umgerechnet 185€ bezahlen. Hinzu kommen Kosten für das Parken, im Durchschnitt 31 Dollar, und ein Bier, welches bei 7 Euro durchschnittlich liegt. Die Ticketpreise haben sich in den letzten zehn Jahren um 50% erhöht, die Parkgebühren verdoppelten sich und das Bier wurde um 32 Prozent teurer. Dies ist für gewöhnliche Amerikaner kaum leistbar. Bedenkt man die massiven steuerlichen Erleichterungen um Vereine und somit professionellen Football an einen Standort zu binden, erscheint einem dies zynisch.

 

Interception durch die Politik?

 

Dieses Paradoxon ließ die Politik reagieren, wenn auch in einem sehr geringen Ausmaß. Die Senatoren Angus King (Unabhängig) und Tom Coburn (Republikaner) sprachen sich im September 2013 gegen die NFL als Non-Profit aus. Sie legten dem Finanzausschuss des Senats einen Gesetzesentwurf vor, der bis heute dort liegt. Dabei wiederlegen sie die Argumentation der NFL, Gesamtvertreter für die Branche zu sein, weil weder College- noch High-School Football integriert sind. Im eigentlichen Sinn handle es sich um eine Organisation aus 32 Vereinen, ohne Anspruch auf Gesamtheit des Sports und mit der Möglichkeit Mitbewerber auszuschließen. Zudem halten die beiden fest, dass laut dem „Tax Code“ keine Marken vertreten werden dürfen, welches die NFL mit ihren 32 Vereinen tut.

 

Außerdem stört die beiden Politiker das Gehalt von NFL-CEO Roger Goodell. Der Commissioner verdient jährlich 29,5 Millionen US-Dollar. Ein sehr ungewöhnliches Gehalt für den Vorsitzenden einer Non-Profit Organisation.

 

Ob jedoch Maßnahmen gegenüber der NFL tatsächlich ergriffen werden, bleibt angesichts der zuvor getätigten Steuererleichterungen sehr zweifelhaft. Zudem wird Football in den USA immer populärer und dadurch einflussreicher. Solange diese Steuererleichterung die Bevölkerung nicht kritischer werden lassen und keine offenen Beschwerden gemacht werden, wird die Politik wohl in der Masse kaum gegensteuern.

 

Die NFL gilt heute als erfolgreichste und vermögendste Profiliga der USA. Ihr Ziel ist es bis 2027 25 Milliarden US-Dollar Gewinn zu erzielen. Wenn möglich noch als Non-Profit-Organisation. Dafür investierten die National Football League nur 1,5 Millionen steuerfreie US-Dollar in den politischen Lobbyismus. Rund 114,4 Millionen Zuseher beim Super Bowl sind nun einmal von sich aus sehr überzeugend.